Eine Versorgung, die monatelang problemlos funktioniert hat, hält plötzlich nicht mehr so lange. Die Haut ist feuchter. Die Patientin oder der Patient schwitzt stärker, geht schwimmen, verwendet Sonnenschutz und verbringt viel Zeit im Freien.
Dann kommt die Frage: Warum hält meine Stomaversorgung im Sommer plötzlich nicht mehr so gut wie sonst?
Der Sommer verändert nicht das Stoma selbst. Er verändert jedoch die Bedingungen, unter denen die Stomaversorgung funktionieren muss.
Höhere Temperaturen, Schweiß, Feuchtigkeit, Baden und ein häufigerer Kontakt der Haut mit kosmetischen Produkten können die Haftung der Basisplatte und den Zustand der peristomalen Haut beeinflussen.
Für KSB-Fachkräfte bedeutet der Sommer deshalb mehr, als Patientinnen und Patienten lediglich an eine ausreichende Flüssigkeitszufuhr zu erinnern. Es ist die Zeit, in der überprüft werden sollte, ob die gewohnte Stomaversorgung noch zu den veränderten Bedingungen im Alltag passt.
Wenn es heiß ist, muss nicht die Temperatur selbst das größte Problem sein
Die Marke von 30 °C ist kein Punkt, ab dem eine Stomaversorgung plötzlich nicht mehr funktioniert. Hohe Temperaturen bringen jedoch ein sehr praktisches Problem mit sich. Wir schwitzen mehr. Und genau die erhöhte Feuchtigkeit im Bereich der Basisplatte kann die Bedingungen verändern, unter denen das Haftmaterial einen zuverlässigen Kontakt mit der Haut aufrechterhalten muss.
Hydrokolloide Materialien in Stomaversorgungen können Feuchtigkeit bis zu einem gewissen Grad aufnehmen. Ist die Haut jedoch stark verschwitzt oder über längere Zeit feucht, kann sich die Tragedauer der Versorgung verkürzen.
Auch für die Haut selbst ist anhaltende Feuchtigkeit nicht ideal. Die peristomale Haut kann empfindlicher auf Reizungen und feuchtigkeitsbedingte Belastungen reagieren. Kommen Undichtigkeiten oder häufigere Versorgungswechsel hinzu, kann sich das Problem zusätzlich verstärken.
Für Patientinnen und Patienten zeigt sich das oft ganz einfach. Die Versorgung muss häufiger gewechselt werden als gewohnt.
Drei typische Sommersituationen, auf die Patientinnen und Patienten vorbereitet sein sollten
Schweiß, Sonnenschutz und Wasser sind kein Grund, warum Menschen mit einem Stoma auf den Sommer verzichten müssten. Sie können jedoch beeinflussen, wie die Stomaversorgung im Alltag gehandhabt werden sollte.
1. Schwitzen: Die Basisplatte braucht eine trockene Grundlage
Beim Anbringen einer neuen Stomaversorgung ist es wichtig, dass die Haut sauber und vollständig trocken ist. Bei hohen Temperaturen kann das schwieriger sein, als es zunächst klingt.
Die Patientin oder der Patient kommt aus der Dusche und beginnt sofort wieder zu schwitzen. Wird die Versorgung auf noch leicht feuchte Haut geklebt, kann von Anfang an kein optimaler Kontakt zwischen Haut und Basisplatte entstehen.
Eine praktische Empfehlung kann sehr einfach sein.
Wenn möglich, sollte der Versorgungswechsel in einem kühleren Raum erfolgen. Die Haut sollte sorgfältig getrocknet und vor dem Aufbringen der Basisplatte noch einmal auf Restfeuchtigkeit kontrolliert werden.
Wenn sich die Tragedauer der Versorgung im Sommer wiederholt verkürzt, bedeutet das nicht automatisch, dass die Patientin oder der Patient etwas falsch macht. Es ist vielmehr ein Anlass, die gesamte Versorgungssituation erneut zu beurteilen.
2. Sonnenschutz: wichtig für die Haut, aber nicht unter der Basisplatte
Sonnenschutz gehört im Sommer selbstverständlich dazu. Bei einer Stomaversorgung spielt jedoch eine Rolle, wo das Sonnenschutzmittel aufgetragen wird.
Fetthaltige Cremes, Körperlotionen und andere Pflegeprodukte können einen Film auf der Haut hinterlassen und dadurch die Haftung der Basisplatte beeinträchtigen. Die Hautfläche, auf der die Stomaversorgung haftet, sollte deshalb sauber, trocken und frei von fettigen Rückständen sein.
Sonnenschutz gehört auf die Haut, die der Sonne ausgesetzt ist. Nicht unter die haftende Fläche der Stomabasisplatte. Ein so einfacher Unterschied kann erklären, warum eine Versorgung im Urlaub scheinbar ohne erkennbaren Grund plötzlich schlechter hält.
3. Baden mit Stoma: Wasser ist kein Tabu
Menschen mit einem Stoma müssen weder auf das Schwimmbad noch auf das Meer oder einen Badesee verzichten. Moderne Stomaversorgungssysteme sind so konzipiert, dass Duschen und Baden grundsätzlich möglich sind.
Wichtig ist jedoch eine gute Vorbereitung.
Vor dem Schwimmen sollte überprüft werden, ob die Basisplatte rundherum sicher auf der Haut haftet.
Wenn die Patientin oder der Patient kurz nach einem Versorgungswechsel schwimmen gehen möchte, sollte der Basisplatte ausreichend Zeit gegeben werden, eine stabile Verbindung mit der Haut aufzubauen.
Nach dem Baden ist es sinnvoll, Haut und Versorgung nicht unnötig lange feucht zu lassen.
Wenn im Urlaub Baden, hohe Temperaturen und verstärktes Schwitzen zusammenkommen, kann es außerdem sein, dass die Versorgung häufiger gewechselt werden muss als zu Hause.
Das ist kein Grund, auf das Schwimmen zu verzichten. Es ist ein Grund, die Stomaversorgung an den Sommer anzupassen.
Was sollten KSB-Fachkräfte bereits vor dem Urlaub ansprechen?
Sommerliche Probleme lassen sich am besten lösen, bevor die Patientin oder der Patient mit einer sich lösenden Basisplatte am Pool steht. Vor der Urlaubszeit sollte eine Beratung deshalb nicht bei der Frage enden: Haben Sie genügend Versorgungsmaterial dabei?
Hilfreich sind zusätzlich Fragen wie:
- Wie häufig wechseln Sie Ihre Versorgung an besonders heißen Tagen?
- Schwitzen Sie im Bereich der Basisplatte stärker?
- Planen Sie zu schwimmen oder viel Zeit am Wasser zu verbringen?
- Verwenden Sie im Bereich der Versorgung Körpercremes oder Sonnenschutzmittel?
- Treten im Sommer häufiger Undichtigkeiten auf?
- Verändert sich der Zustand Ihrer Haut?
- Hält Ihre aktuelle Stomaversorgung im Sommer genauso lange wie in anderen Jahreszeiten?
Die Antworten können zeigen, ob einige praktische Anpassungen ausreichen oder ob die Art der Fixierung beziehungsweise das verwendete Stomaversorgungssystem neu beurteilt werden sollte.
In den Urlaub gehört mehr Versorgungsmaterial, als zu Hause normalerweise benötigt wird
Eine der praktischsten Empfehlungen vor einer Reise ist gleichzeitig eine der einfachsten. Nehmen Sie nicht nur exakt die Menge an Stomaversorgungen mit, die Sie zu Hause normalerweise benötigen würden.
Im Sommer können durch stärkeres Schwitzen, Baden, veränderte Ernährungsgewohnheiten oder unerwartete Undichtigkeiten zusätzliche Versorgungswechsel notwendig werden.
ConvaTec empfiehlt in seinen Reiseinformationen für Menschen mit Stoma, mehr Versorgungsmaterial mitzunehmen, als für den üblichen Alltag zu Hause erforderlich wäre.
Für Patientinnen und Patienten ist das nur eine kleine Vorbereitung. Im Urlaub kann sie jedoch darüber entscheiden, ob plötzlich Material fehlt oder der Aufenthalt ohne unnötige Sorgen weitergehen kann.
Gute Stomaversorgung im Sommer beginnt vor dem ersten heißen Tag
Die Aufgabe von KSB-Fachkräften besteht nicht darin, Patientinnen und Patienten zu erklären, warum der Sommer ein Risiko darstellt.
Wertvoller ist es, sie so vorzubereiten, dass sie den Sommer möglichst unbeschwert genießen können. Wenn wir wissen, dass Schwitzen, Feuchtigkeit, Baden oder Veränderungen im Tagesablauf die Stomaversorgung beeinflussen können, lassen sich viele dieser Situationen bereits vor dem Urlaub berücksichtigen.
Pharex stellt als Vertriebspartner von ConvaTec Produkten in Österreich auch für medizinisches Fachpersonal Produktmuster zur Verfügung, damit unterschiedliche Lösungen entsprechend den individuellen Bedürfnissen von Patientinnen und Patienten kennengelernt werden können.
Sofern für die jeweilige Sommersaison spezielle Sommer-Mustersets für Fachpersonal verfügbar sind, können diese über Pharex angefragt werden.
Das beste Szenario für den Sommer? Wenn die Versorgung nicht ständig im Mittelpunkt steht
Der Erfolg einer guten Stomaversorgung im Sommer zeigt sich nicht darin, dass eine Patientin oder ein Patient den ganzen Tag jeden Millimeter der Basisplatte kontrolliert. Im Gegenteil.
Das Ziel ist, schwimmen zu können, zu reisen, auf einer Terrasse zu sitzen, einen Ausflug zu machen oder einen Tag am See zu verbringen, ohne alle paar Minuten darüber nachdenken zu müssen, ob die Stomaversorgung noch sicher hält.
Der Sommer braucht deshalb keine völlig neuen Regeln. Er braucht rechtzeitige Vorbereitung, passende Gewohnheiten und eine Stomaversorgung, die den aktuellen Bedürfnissen des jeweiligen Menschen entspricht.
Und genau hier können gut vorbereitete KSB-Fachkräfte den größten Unterschied machen. Nicht erst dann, wenn bereits ein Problem auftritt. Sondern bevor die Patientin oder der Patient in den Urlaub fährt.
Hinweis
Die Informationen in diesem Artikel dienen der allgemeinen fachlichen Information und ersetzen keine individuelle medizinische oder pflegerische Beurteilung. Bei wiederkehrenden Undichtigkeiten, Veränderungen der peristomalen Haut oder Problemen mit der Haftung sollte die Versorgung individuell durch entsprechend qualifiziertes Fachpersonal beurteilt werden.
